



Biograife No. 1, 2009

Seit 2002 freiberuflich tätig als Konstrukteurin und Produktmanagerin (Rollstuhltechnik und Abschirmkammern) mit der CAD Software SolidWorks.
Eher zufällig, aber der Weg ist ja das Ziel . . .
Nach dem Abitur wollte ich etwas Praktisches, eher Technisches und
doch auch Nützliches machen, sowohl für meinen Geldbeutel, als auch
für die Menschheit.
Da war dann das Feinwerktechnik Studium an der FH Ulm naheliegend. Speziell
der Zug Biomedizinische Technik lockte offensichtlich auch
Frauen an, denn der Frauenanteil lag mit 25% sehr hoch.
Der Umgang und der Vergleich mit den vielen Männern schreckte mich nicht,
denn das Klima vom Mathe-Leistungskurs hatte ich noch positiv in Erinnerung.
Sehr bereichernd in jeder Beziehung war für mich das finale
Jahr an der University of Plymouth, Südwest England, wo ich
im Bereich Composites Engineering auch die Diplomarbeit schrieb. Dort lernte
ich intensiv, Informationen im Team zu sammeln und auszuarbeiten.
Landschaft und Leute faszinierten mich. Die eigene Heimat lernte ich auf diese
Art aus einem ganz anderen Blickwinkel zu sehen und auch zu schätzen.
Zurück in Deutschland gestaltete sich meine Stellensuche bei der Industrie trotz prämierten Abschlusses nicht leicht. Ich hatte es doppelt schwer, denn neben der damaligen Wirtschaftskrise gab es in den Köpfen der Chefs noch Vorurteile gegenüber Frauen.
Aber ich fand eine Stelle als Produktmanagerin bei einer renommierten
deutschen Fahrradteile Firma, die wie geschaffen war für mich, denn dort erhielt
ich einen genialen Überblick über die Produktentstehung:
Vom Kundenwunsch zur Idee, weiter zur Produktion, Verwaltung und Qualitätsmanagement,
schließlich zur Vermarktung. Diesen Prozess erlebte ich im Verbund mit erfahrenen
Kollegen und Teams. Außerdem lernte ich, dass es nicht reicht, eine
schlüssige Idee zu haben, man musste sie den Männern auch entsprechend selbstsicher
präsentieren.
Meine Familienphase und Umzüge in andere Landesteile unterbrachen
meine berufliche Tätigkeit. Mit meinen kleinen Kindern schien es nicht mehr
möglich, als Ingenieur im Angestelltenverhältnis zu arbeiten,
denn ich hatte den Eindruck gewonnen, dass Firmen einen zu 150% brauchen oder
gar nicht. Und das wollte ich nicht mehr. Erst als ich mir vorstellen
konnte und mir ausmalte, wie optimal es es für mich wäre, stundenweise
von Zuhause aus zu arbeiten, brach der Bann.
Kurz darauf, rief ein früherer Kollege an und bat mich, für ihn als freier
Mitarbeiter die technische Seite seines Unternehmens zu managen. Noch etwas
unsicher, aber dankbar, nahm ich das Angebot an.
Ich lernte mich in das CAD-Programm SolidWorks ein, machte Zeichnungen
für die Anfrage von Teilen und bald auch kleine eigene Konstruktionen
für Rollstuhlkomponenten. Mit dem nächsten Kunden, den ich „zufällig”
kennenlernte, wuchs mein kleines Unternehmen beträchtlich. Bis ins letzte
Detail habe ich an einer komplexen Abschirmung für ein passives MRT (Magnetresonanztomographie)
mitgewirkt. Dabei waren kreative eigene Konstruktionen genauso wichtig,
wie die penible Detaillierung für das Qualitätsmanagement.
Jetzt ist mein Tag zwar wieder zu 150% ausgefüllt, aber darin ist auch Zeit für die Familie und mich enthalten und das Arbeiten am CAD macht mir nach wie vor viel Freude.

Ulrike Bodmer an ihrem Arbeitsplatz
In diesem Jahr gehe ich als Konstruktionsdienstleister Bodmer-CAD
mit einem eigenen Webauftritt in Netz.
Kurz-, mittel-, und langfristig erhoffe ich mir damit, in Kontakt mit weiteren
Kunden und interessanten, umweltfreundlichen Projekten zu kommen.
Vielleicht kann ich dann auch bald eine Studentin stundenweise ins Boot holen,
damit aus der Arbeit keine Last wird, sondern die Lust daran bleibt.
Ulrike Bodmer
© und verantwortlich für den Inhalt:
Anne Ammann und Andrea Ludwig
© Konzept und Design:
Anne Ammann Grafik, Ulm * www.ammann-grafik.de
*
Ulrike Bodmer
Dipl.-Ing. (FH)
BEng Hons.
Böfinger Weg 24/5
89075 Ulm-Böfingen
0731 – 4039271
www.bodmer-cad.de
info@bodmer-cad.de