Auf dieser Seite stellen sich kompetente Frauen aus der
Region vor, die in der Beratung von Gründerinnen eine langjährige und
fundierte Praxis aufweisen können.
Es stellen sich hier auch „gestandene Frauen” aus Industrie und
Wirtschaft vor, die durch ihre Praxiserfahrung Wesentliches vermitteln können.
Alle Frauen geben hier gute praktische Tipps aus ihrem erprobten Alltag weiter.

Marita Kaiser
Das Ziel einmal in der Politik Verantwortung zu tragen,
kam in meiner früheren Lebensplanung eigentlich nicht vor.
Nach dem Abitur begann ich zuerst mit einem Jurastudium, das meinen Neigungen
und Talenten allerdings nicht voll entsprach. Nach anschließendem abgeschlossenem
Wirtschaftsstudium bin als Referatsleiterin und Pressesprecherin eines Bundesverbandes
für Hotellerie und Gastronomie DEHOGA in der damaligen Hauptstadt Bonn gelandet.
Dort sammelte ich über 12 Jahre viele Erfahrungen, auch in den Arbeits- und
Organisationsstrukturen, wie ich sie später auch in der Politik vorfand.
Als Gründungsgeschäftsführerin für Wirtschaftsförderung
und Standortentwicklung „Die Innovationsregion Ulm – Spitze im Süden“ durfte
ich dann selbst Pionierarbeit leisten, meine Strategieziele selbst entwickeln
und gestalten und zum Erfolg zu leiten.
Daneben war diese Aufgabe bereits stark kommunalpolitisch geprägt mit allen
Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Interessenlagen. Später wurde ich 2002
unverhofft mit 44 Jahren als Bürgermeisterkandidatin „entdeckt“ – und
zuerst auch ein Stück weit überredet, weil ich doch eigentlich ein recht unpolitischer
Mensch geblieben war.
Beim ersten Anlauf eroberte ich aber dann trotz amtierendem
Gegenkandidaten den Rathaussessel mit überwiegender Mehrheit. Und dies mit
damals noch weitgehend untypischen Attributen für eine bayerische, vorwiegend
katholische Kleinstadt: Frau, evangelisch, parteilos, zwei jüngere Kinder,
keine Einheimische und völlig unbekannt in der Stadt.
Daran sieht man, dass die Menschen vor allem auf Glaubwürdigkeit und
Authentizität bestehen und sofort spüren, wenn man sich aus vermeintlich politischen
Gründen selbst inszeniert. Und das habe ich nie getan. Ich versuche
immer ich selbst zu bleiben.
Als parteiunabhängige Politikerin versuche ich durchgängig
für eine Politik der Aufrichtigkeit, der konsequenten Taten und für eine Kommunalpolitik,
die alle gesellschaftlichen Gruppen ernst nimmt, zu stehen.
Das ist bei den unterschiedlichen Interessenlagen und Perspektiven der Betrachtung
beileibe nicht immer einfach und als Parteilose „ohne Hausmacht“ manchmal
sogar sehr schwierig. Diese Komplexität muss man in der Aufgabe als Bürgermeisterin
als gegeben annehmen können, dann macht es die Aufgabe sogar spannend und
interessant.
Zum einen hilft mir hier sicher meine Erziehung. Wir waren vier Töchter zu Hause und meinen Eltern legten größten Wert darauf, dass wir einmal „selbst im Leben erfolgreich bestehen können” sollen. Sie ermutigten uns deshalb immer in Ausbildung, Studium und beruflichen Herausforderungen und auch in der Rolle als selbständige, unabhängige Frauen. Und ich für mich selbst denke überhaupt nicht über mein Geschlecht oder meine Geschlechterrolle im Beruf nach. Das macht m. E. höchsten unsicher. Ich bin einfach selbstverständlich eine Frau.
Daneben kann ich als Glücksfall für mich in
Anspruch nehmen, dass mein selbständig tätiger Mann sich schwerpunktmäßig
auch dem „Familienmanagement“ zuverlässig widmet.
Diese Konstellation ist jedoch nicht übertragbar, denn die dazu notwendige
selbstbewusste Grundhaltung meines Mannes ist auch heute noch keineswegs selbstverständlich.
Ich glaube menschliche Aufgeschlossenheit, gepaart mit
Nachhaltigkeit in der Sache.
Reglementierungen und Formalien dürfen dabei nicht zum Selbstzweck werden.
Ich freue mich über Offenheit und menschliche Zuwendung auf allen
Kommunikationsebenen und über die Bereitschaft mit dem Blick
nach vorn einer Sache zu dienen.
Mit kleingeistiger Grundhaltung, die aber nicht unbedingt etwas mit dem Bildungsstand zu tun haben muss, kann ich wenig anfangen. Menschliche Größe ist für mich – bei aller notwendigen Zielstrebigkeit für sich selbst – ein ganz großes Gut. Diese Größe aber von allen zu erwarten ist gefährlich.
Humor ist für mich auch sehr wichtig und ich freue mich
über jeden, der – bei allem Ernst der Dinge – Freude,
Mut und Zuversicht verbreitet. Und ich selbst hoffe nie die Gabe
zu verlieren auch mich selbst zwischendurch auf den Arm nehmen zu können.
© und verantwortlich für den Inhalt:
Anne Ammann und Andrea Ludwig
© Konzept und Design:
Anne Ammann Grafik, Ulm * www.ammann-grafik.de
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