Profilfrau No. 3, 2009

Sabine Mayer-Dölle
Eine verwaltungsjuristische Ausbildung zu absolvieren entsprach weder meinen Neigungen, noch meinen beruflichen Wünschen. Es waren praktische Überlegungen, da Ausbildung und Studium finanziert waren und ich rasch auf eigenen Beinen stand. Gewünscht hätte ich mir einen gestalterischen, kreativen Beruf, hier lagen meine Fähigkeiten. Während meiner Ausbildung entdeckte ich meine soziale Kompetenz sowie Planungs- und Organisationstalent. Nach meinem Examen trat ich bei der Stadt Freiburg eine Stelle in der Sozialverwaltung an.Mein Aufgabenbereich gab mir in frühen Jahren einen Einblick, was es bedeutet, auf der Schattenseite des Lebens zu stehen. Diese hautnahe Praxiserfahrung war für mich eine Schule des Lebens und Motivation, Menschen darin zu unterstützen, eigenverantwortlich ihr Leben zu meistern. Hier waren meine gestalterischen und kreativen Fähigkeiten sehr nützlich.
Bereits in frühen Jahren fand ich im Beruf männliche und weibliche Vorbilder, die meinen Werdegang positiv begleiteten und mich förderten.
Mit 31 Jahren wurde ich Sozialamtsleiterin, mit einer Personalverantwortung für rund 500 MitarbeiterInnen. Mit Anfang 40 absolvierte ich berufsbegleitend eine Zusatzausbildung in den Bereichen Planung, Organisation und Steuerung sozialer Dienstleistungen. Es war wichtig für mich, aufbauend auf meine breite Praxiserfahrung, mein Handwerkszeug zu schärfen. Aus einer anderen Perspektive zu reflektieren, was die gesellschaftlichen Herausforderungen sind und wie sozialpolitische Lösungen aussehen können. Im Anschluss erfolgte eine berufliche Neuausrichtung als Finanz- und Sozialdezernentin.
Vor fünf Jahren wagte ich, als parteilose Frau, die Bewerbung als Bürgermeisterin bei der Stadt Ulm. Mit den Verantwortungsbereichen Bildung, Kultur, Sport und Soziales schließt sich für mich wunderbar der Kreis von Aufgaben, die in einem engen Zusammenhang stehen und ganzheitlich zu gestalten sind.
Obwohl ich der öffentlichen Verwaltung bis heute in unterschiedlichen Funktionen treu blieb, sehe ich mich auch als Querdenkerin, die immer wieder Strukturen und Entscheidungen hinterfragt.
Meine Tätigkeit als Bürgermeisterin, lässt mir nur wenig Freiräume für Rückzug und private Interessen. Umso wichtiger ist die Beziehung zu meinem Mann, einem Menschen, dem ich vertrauen kann und der mir emotionale Sicherheit gibt. Die Partnerschaft ist für mich immer wieder inspirierend, da wir zwei grundverschiedene Temperamente sind und auch unsere Interessen stark variieren. Es sind die gemeinsamen Werte die uns verbinden.
Darüber hinaus habe ich einen teilweise über viele Jahrzehnte gewachsenen Freundeskreis, der mir sehr viel bedeutet und den ich trotz der knappen Zeit pflege.
Um meinen täglichen Stress zu bewältigen, genieße ich so oft als möglich Wanderungen in der Natur. Ganz besonders liebe ich die Schweizer Bergwelt. Auch der regelmäßige Rückzug und die Besinnung sind für mich ein unverzichtbares Ritual.
Sie besteht darin, die Welt und ihre Menschen anzunehmen wie sie sind und mein Verhalten entsprechend auszurichten. Hierbei verliere ich die Vision nicht aus den Augen, wie es sein könnte.
In meinem breiten Aufgabengebiet kommt es mir darauf an, die Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und verschiedenen kulturellen Wurzeln zu sehen. Hierbei steht für mich im Vordergrund, aus einer Gesamtverantwortung heraus zu handeln.
Bildung braucht die sinnliche und körperliche Erfahrung von Kultur und Sport, um Menschen neue Lebenswelten zu eröffnen. Wenn es uns im Alltag gelingt, diesen Zusammenhang herzustellen, leisten wir einen unverzichtbaren Beitrag, damit sich unsere Gesellschaft geistig und emotional weiter entwickeln kann und sich soziale Notlagen in Grenzen halten.
© und verantwortlich für den Inhalt:
Anne Ammann und Andrea Ludwig
© Konzept und Design:
Anne Ammann Grafik, Ulm * www.ammann-grafik.de
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